Berlin Edition 03



 

Exakt ein Jahr nach der zweiten Edition in Berlin, lädt Architects, not Architecture am 29. November um 19 Uhr wieder in den Großen Saal des Atze Musiktheaters. Mit den etablierten Architekten François Valentiny, Volkwin Marg und Anupama Kundoo beendet AnA das aufregende Jahr für 2018.

Das unkonventionelle Veranstaltungskonzept konnte sich auch in den letzten sechs Monaten in Deutschland weiter etablieren – und hat erste Schritte zu einem europäischen Format gemacht. In Skandinavien und Spanien wurde das offene und persönliche Konzept begeistert aufgenommen: Die drei jeweils geladenen renommierten Architekturschaffenden dürfen kein Wort über ihre bekannten Werke erzählen. Im Mittelpunkt stehen seit Beginn der Eventreihe im Jahr 2015 ihr Werdegang, Erfahrungen und Erlebnisse, die sie geprägt und zu ihrer Entwicklung beigetragen haben. Das für Architekturveranstaltungen neuartige Konzept macht den Menschen hinter den Projekten sichtbar – und erlaubt neue Ansichten. 

Doch bevor es in die Vorbereitungen für Architects, not Architecture 2019 geht, begrüßt Fermín Tribaldos die beeindruckenden Architekten

  • François Valentiny, Gründer Valentiny Architects, www.valentinyarchitects.com
  • Volkwin Marg, Mitgründer gmp Architekten, www.gmp-architekten.de
  • Anupama Kundoo, Gründerin Anupama Kundoo Architects, www.anupamakundoo.com

, um private und vielleicht auch vertrauliche Geschichten zu erfahren, die der Öffentlichkeit bis heute noch verborgen blieben.

 

Diese Veranstaltung findet Dank der freundlichen Unterstützung von Hess GmbH Licht + FormSchüco, Kaldewei und BoConcept statt.

 

Für den Architekten Volkwin Marg ist Architektur politisch – was den Menschen hinter der Architektur relevant macht. Alle Hintergründe und übergeordneten Zusammenhänge herauszufinden und kritisch zu werten hat er schon früh durch die ideologischen Konflikte, mit denen er in seiner Kindheit konfrontiert wurde, erlernen müssen.  Auch die indische Architektin Anupama Kundoo hat ein politisches Ziel: Erschwinglichen Wohnraum. Sie ist eine Pendlerin zwischen den Welten, ganz konkret zwischen ihren Bürostandorten in Indien und Spanien aber auch architektonisch. Ihr Ansatz ist die Balance zwischen Lowtech – ortsansässigem Handwerk und Baumaterialien – und Hightech – innovatives Wissen für deren Weiterentwicklung und moderne Anwendung. Der dritte Gast, François Valentiny ergänzt beide perfekt. Auch er ist lange zwischen seinen Büros in Wien und Luxemburg gependelt. Sein Blick über den Tellerrand der Architektur geht in Richtung anderer künstlerischer Disziplinen. In den letzten Jahren hat er sich verstärkt mit der Musik beschäftigt und veranstaltet außergewöhnliche Musikfestivals.
Drei Persönlichkeiten und Lebenswege, die einen interessanten Abend versprechen.


Programm

18.00 Uhr Einlass und Get-Together
19.00–19.15 Uhr Begrüßung
19.15–20.45 Uhr Speaker
       Pro Architekt 20 Min. Rede + 10 Min. Interview
20.45–21.15 Uhr Diskussionsrunde mit Fragen vom Publikum
21.30–23.00 Uhr Get-Together


Informationen zu den Sprechern

François Valentiny wurde 1953 in Remerschen, Luxemburg geboren. Er  lernt Tischler und beschließt, doch nicht Maler und Bildhauer zu werden, sondern Architekt. Von 1975 bis 1980 studierte er erst in Nancy, dann an der Kunsthochschule Wien. Nach dem Studium gründete er mit Hubert Hermann ein Architekturbüro in Wien. Danach folgte die Zweigstelle in Luxemburg.

Inzwischen konzentrieren sich Valentinys Bauten auf Schulen, Schwimmbäder, Verwaltungen und Geschäfte, Wohnungen und Kulturbauten, in Luxemburg. Auch weltweit hat der Architekt seine Spuren hinterlassen: Das Mozarteum im brasilianischen Trancoso, das Mozarthaus in Salzburg, die Botschaft Luxemburgs in Wien, Theater und Kongresshalle in Saarbrücken, das Friedenszentrum in Verdun, Bauten in China, sowie der spektakuläre Luxemburger ExpoPavillon 2010 in Shanghai. Der Turm der Träume und Sehnsüchte, war Luxemburgs Beitrag 2004 auf der Landesgartenschau in Trier und ist bis heute eine Besucherattraktion.

Valentiny steht für kühne, fast futuristische Entwürfe mit Charakter. Obwohl er immer wieder mit Stahl assoziiert wird, baut der Ex-Tischler laut eigener Aussage viel lieber mit Holz. Für das Haff Remich hat er den Holzbaupreis Eifel erhalten. Für ihn ist Architektur eine wunderbare Art und Weise sich von den eigenen Problemen zu verabschiedenen und sich um die Probleme der anderen Menschen zu kümmern.

Der Baumeister unterrichtet Architektur von Trier über Wien bis Shanghai und ist 2016 in Korea von seinen Berufskollegen zu den wichtigsten hundert Architekten weltweit gekürt worden. Sein Name fällt bei den Gewinnern von Architekturwettbewerben. Er ist Herausgeber einer Zeitschrift und sitzt in Architekturbeiräten.

Mit der Gründung der Valentiny Foundation verfolgt Bürogründer François Valentiny mehrere Ziele: Die Stiftung und das Gebäude, in dem sie residiert, sollen sein eigenes künstlerisches Erbe bewahren, die Architekturausbildung in Luxemburg fördern und den Architekturdiskurs in der Moselregion voranbringen.

www.valentinyarchitects.com

 

Volkwin Marg wurde 1936 im ostpreußischen Königsberg  geboren. Er wuchs unter fünf Geschwistern zunächst in Danzig in Thüringen und in Grabow in Mecklenburg auf. Von 1958 bis 1964 studierte er in Berlin und an der TU Braunschweig Architektur. Ein Auslandsstipendium für Stadtplanung führte ihn nach Delft/Holland. 1965 erhielt Volkwin Marg sein Abschlußdiplom und im selben Jahr begann bereits die Arbeit mit Studienkollegen Meinhard von Gerkan. Zusammen gründeten sie das Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp).

Gemeinsam  entwerfen und bauen sie die unterschiedlichsten Typen von Gebäuden. Stadien in Städten wie Berlin, Köln, Frankfurt, Kapstadt, Durban, Warschau, Kiew, Brasilia oder Manaus, Messen in Leipzig oder Rimini, Museen, Flughäfen, Konzerthäuser und ganze Städte. Ihre grundlegenden Architekturhaltung: Einfachheit, Vielfalt und Einheit, Unverwechselbarkeit und Strukturelle Ordnung. Ihr Ideal: die Dinge so einfach zu gestalten, dass sie inhaltlich und zeitlich Bestand haben. Ihre Architekturauffassung: Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft. Das internationale Architekturbüro erhielt für Ihre Projekte mehr als 350 Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben, darunter mehr als 180 erste Preise. Mehr als 350 Bauten haben sie in dem vergangenen halben Jahrhundert  realisiert.

2005 erhielt Marg, der mehr als 17 Jahre an der RWTH in Aachen lehrte, den Großen Preis des Deutschen Architektenbundes. Des weiteren wurde er u.a. mit dem Fritz Schumacher-, Nike- und DAI- Preis ausgezeichnet.

2009 nahm er das Bundesverdienstkreuz 1.Klasse entgegen, drei Jahre später wurde ihm von der HafenCity Universität Hamburg die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Architektur verliehen. Seit acht Jahren ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und im Beirat der Bundesstiftung Baukultur. Marg ist Prinzipal der Academy for Architectural Culture (aac), die er gemeinsam mit von Gerkan im Rahmen der gmp-Stiftung gegründet hat.

Ebenfalls verfasst er Bücher und Essays und hält Vorträge im In- und Ausland  zu Themen der Architektur, des Städtebaus und der Kulturpolitik.

www.gmp-architekten.de

 

Anupama Kundoo wurde 1967 in Pune in Indien geboren. Ihr Studium schloss sie 1989 an der Sir J. J. College of Architecture der Universität Mumbai ab, 2008 promovierte sie an der TU Berlin. Kundoo – die Büros im indischen Auroville und Madrid betreibt, hat sich über die Jahre einen Namen, durch ihre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Architekturpraxis und Forschung, gemacht- Materialforschung im Sinne einer Architektur, die sowohl umweltschonend wie auch von sozioökonomischem Nutzen ist. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt sind Wohnprojekte im städtischen wie ländlichen Bereich.

Für die Arbeit der indischen Architektin Anupama Kundoo sind Wissen und Bildung in technischer und sozialer Hinsicht die Voraussetzung für erfolgreiches Entwerfen. Ihre Architektur zeichnet sich durch Ästhetik, ihr Spiel mit Licht und Schatten, das räumliche Verständnis von ineinanderfließenden Innen- und Außenräumen, die Einbettung ihrer Gebäude in einen landschaftlich gestalteten Rahmen und die Feinabstimmung der eingesetzten Materialien, aus.
Ihr Fokus liegt darauf, den Einfluss extremer Bautechnologien so gering wie möglich zu halten. Sie beschäftigt sich weniger mit großen, überdimensionierten Formen als mit den Strukturen und Materialien einer Konstruktion. Dabei legt sie größten Wert auf die Harmonie der einzelnen Bestandteile.  

Ihre Praxis wurde bereits zweimal auf der Architekturbiennale in Venedig ausgestellt, 2012 mit „Feel the Ground. Wall House 1:1“ und 2016 „Building Knowledge, an inventory of Strategies“.
Anupama Kundoo forscht und lehrt weltweit, unter anderem an der TU Berlin, AA School of Architecture London, ETSAB Barcelona, Parsons New School of Design New York, IUAV Venice und University of Queensland.
Ihre Projekte findet man in Indien als auch weltweit – darunter die Bauten Hemant Divya, Hut in Petite Ferme, Volontariat Home for Homeless Children,  Auroville Town Hall Complex und Wall House.

Zu ihren zahlreichen Veröffentlichungen gehören u. a. Roger Anger: Research on Beauty, Architecture 1958-2008, Das Tauziehen zwischen Umweltschutz und Entwicklung (2011) und Rethinking affordability in economic and environmental terms (2015). 2013 wurde sie mit dem Dr. V. D. Joshi Award und 2015 mit dem NDTV Commercial Interior of the Year  ausgezeichnet.

www.anupamakundoo.com

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Auf dem Event werden Bild- und Tonaufnahmen gemacht.
Wir, zusammen mit unseren Partnern, wollen damit die Vorträge dokumentieren und diese mit anderen Kollegen und Interessierten teilen. 

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Credits von den Portrait-Bildern
François Valentiny > Andrés Lejona
Volkwin Marg >Timmo Schreiber
Anupama Kundoo > Juan Rayos